top of page

Forum Maximilianeum 2026

Thema: Rezepte gegen den Kollaps - Was verschreiben wir unserem Gesundheitssystem?

Podium

  • Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK

  • Prof. Dr. Christian Karagiannidis, ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin
  • Franz Knieps, ehem. Vorstandsvorsitzender des BKK Dachverband e.V
  • Prof. Dr. Joachim Winter, Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der LMU​
  • Raphael Schmittner, Stipendiat der Stiftung Maximilianeum

Moderation

Marc Steinhäuser, stellvertretender Leiter der Ereignis-Redaktion bei Phoenix (ARD/ZDF)

Bericht

Als im Herbst 2025 die Wahl des nächsten Forumsthemas auf die Gesundheitspolitik fiel, dürfte kaum jemand erwartet haben, wie präsent diese im Laufe der kommenden Monate im politischen und gesellschaftlichen Diskurs werden sollte. Im Zentrum steht dabei eine sich seit einigen Jahren zuspitzende Finanzierungsproblematik, derer sich die Bundesregierung mit einem auf Empfehlungen der "FinanzKommission Gesundheit“ basierenden Reformpaket annehmen will.

​

Zahlreiche Stimmen unterschiedlicher Verbände und Akteure aus Gesellschaft und Wissenschaft prägen die öffentliche Debatte, von denen wir einige zum Forum Maximilianeum am 03. Juni 2026 begrüßen durften. So hieß der Stiftungsvorstand Hanspeter Beißer neben Verena Bentele (Präsidentin des Sozialverbands VdK), Prof. Dr. Christian Karagiannidis (ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin), Franz Knieps (ehem. Vorstandsvorsitzender des BKK Dachverband e.V.) auch Prof. Dr. Joachim Winter (Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der LMU) willkommen. Für die Stiftung Maximilianeum beteiligte sich Raphael Schmittner an der Diskussion. Zunächst gab er in seinem Impulsreferat sowohl einen Überblick über gängige Positionen und Problemstellungen der Thematik, wies aber auch auf Aspekte hin, die weniger im öffentlichen Fokus stehen, wie zum Beispiel den Preissetzungsmechanismus bei Arzneimitteln. 

 

Anschließend eröffnete Moderator Marc Steinhäuser (Phoenix) die Diskussion mit einer Frage nach der Diagnose: Befinde sich das deutsche Gesundheitssystem bildlich gesprochen denn selbst schon auf der Intensivstation? Christian Karagiannidis bewertete die Versorgungslage als nicht akut besorgniserregend, benannte aber mit der Gefahr zunehmender sozialer Ungleichheit und der immer schwierigeren Finanzierbarkeit zwei zentrale Probleme, die auch in der folgenden Diskussion prägend blieben. Konsens bestand dabei zunächst hinsichtlich der enormen Komplexität der bestehenden Regelungen: „Über mehr als hundert Jahre“ hätten sich diese, so Joachim Winter, als ein fein ausdifferenziertes „System von Einzelfallgerechtigkeit“ entwickelt. Jede jetzige Reformbestrebung müsse somit "irgendwo kürzen". Auch Franz Knieps warnte, dass die aktuellen Probleme nicht mit einem einzigen Reformpaket lösbar seien. Vielmehr bedürfe es "permanenter Arbeit, Fehlentwicklungen zu korrigieren", insbesondere in Anbetracht der Komplexität des Systems und der Vielzahl der zu berücksichtigenden Interessen. Verena Bentele rief mehrfach dazu auf, soziale Erwägungen nicht zu vernachlässigen. Gesundheit dürfe nicht am freien Markt geregelt werden; steigende Beiträge ohne sozialen Ausgleich, aber auch Sparmaßnahmen wie den im Raum stehenden Wegfall der kostenlosen Familienversicherung sehe sie kritisch.

Im weiteren Verlauf der Diskussion rund um Einnahmen der Krankenversicherungen und deren Ausgaben stellten sich hinsichtlich letzterer sowohl die hohe Zahl an potenziell vermeidbaren Eingriffen wie etwa Hüft-OPs, aber auch hohe Kosten für neu entwickelte Medikamente als Aspekte der Finanzproblematik heraus. So kritisierte Raphael Schmittner das aktuelle Verfahren der Medikamentenbepreisung als einen sich immer weiter verstärkenden Kostentreiber.  

​

Insgesamt können zwei wesentliche Erkenntnisse des Abends festgehalten werden: Eine Fortführung der Reformierung des Gesundheitssystems ist unausweichlich. Zentrale strukturelle Maßnahmen seien dabei jedoch nicht ausreichend. Vielmehr müsse auch Prävention eine größere Rolle spielen, um das Gesundheitssystem im Vorhinein zu entlasten. Im Laufe des Abends wurde deutlich, dass es oft vielfältige Sichtweisen auf gesundheitspolitische Aspekte gibt, es jedoch gerade bei dieser unmittelbar lebensrelevanten Thematik wichtig ist, viele Positionen zu berücksichtigen. Für eine gelungene Forumsdiskussion sorgten dabei nicht nur kontroverse Sichtweisen, sondern auch konstruktive Lösungsorientierung.

 

Das Organisationsteam kann neben dem reibungslosen Ablauf der Veranstaltung darauf stolz sein, meinungsstarke, aber auch fachlich sehr kompetente Disputanten auf dem Podium zusammengebracht zu haben. Auch in diesem Jahr gab es nach der Diskussion die Möglichkeit, sich beim anschließenden Empfang weiter über das Thema auszutauschen und zu vernetzen. Besonders freute es uns, dass auch einige Podiumsdiskutanten noch einige Zeit blieben, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Einzig der Weinverbrauch war dieses Jahr erstaunlich gering … Ob das wohl mit dem Thema Gesundheit zusammenhing?

 

Benedikt Sattler

Impressionen

Copyright Bilder: Jakob Hofmann

bottom of page